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Vor etwa 5 Tagen von BlackChester.des Twitter via TweetDeck

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Dead By Sunrise

Die Stimme ist bekannt. Bei Linkin Park hat ebenjene Stimme sogar die Bühne mit Paul McCartney, Jay-Z, Alice In Chains, The Doors, Perry Farrell und vielen anderen geteilt. Sie gewann vier American Music Awards, fünf MTV Music Awards und zwei Grammys und erklang in Stadien auf der ganzen Welt. Insgesamt 50 Millionen verkaufte Linkin Park-Tonträger wurden von dieser Stimme markant veredelt, und sie ist ebenfalls die treibende musikalische Kraft hinter dem Titelsong zu einem der erfolgreichsten Filme des Jahres: Transformers: Revenge Of The Fallen. Und es ist eine Stimme, die von Fans in der ganzen Welt verehrt und geliebt wird. … Ja, die Stimme von Chester Bennington ist definitiv bekannt.

Auf dem Dead By Sunrise-Debütalbum Out Of Ashes, trat sie endlich aus dem Schatten des Gesamtwerks Linkin Park heraus. Als Frontmann dieser Band gestattete Chester Bennington mit der tatkräftigen Unterstützung von den (Ex-)Julien-K-Mitgliedern Ryan Shuck, Amir Derakh, Brandon Belsky, Elias Rodriguez und Anthony „Fu“ Valcic erstmals einen tiefschürfenden Blick auf den Mann hinter dieser Stimme. “Diesmal habe ich die Lyrics allein geschrieben. Dementsprechend direkt, auf den Punkt und persönlich sind sie geworden”, so Bennington über sein erstes Abenteuer außerhalb von Linkin Park. “Ich kam an den Punkt, an dem ich dachte: ‘Okay, jetzt kommt’s wirklich drauf an’.”

Wie real das alles wurde, überraschte sogar Bennington selbst. “In Let Down geht es um die Erfahrung einer Scheidung”, erklärt er. “Ich weiß, wer ich bin, dass ich ein romantischer Mensch bin und dass ich gerne glücklich verliebt bin. Und ich will nicht, dass mir in einer künftigen Liebesbeziehung dieselben Dinge passieren wie in der letzten.”

In der Tat entsprangen sowohl die Band als auch der Bandname der unverstellten Offenheit, mit der sich Bennington dem Band-Projekt näherte. “Dahinter steht buchstäblich die Frage, ob ich den morgigen Tag überstehen würde”, so Bennington. “Es gab Momente, in denen ich mir dessen wirklich nicht sicher war, aber glücklicherweise kam ich durch. Der Albumtitel Out Of Ashes ist ebenfalls ein deutliches Statement – so, als hätte ich ein Haus niedergebrannt, um ein neues zu bauen.”

Bennington befreite sich von seinem Schmerz, indem er merkte, dass er dazu in der Lage war, über seine Probleme und sein Leben allgemein zu schreiben. Und er hielt nichts zurück, wenn es darum ging, seine persönlichen Dämonen offenzulegen. Songs wie “Let Down” und das harte “Inside Of Me” dokumentieren das durch Textzeilen à la: What the hell is wrong with me?/This isn’t who I’m supposed to be!

Aber nirgends wird sein Schmerz deutlicher rübergebracht als in der explosiven Lead-Single “Crawl Back In, in der Bennington seine Zweifel und seinen Kampf gegen die Sucht verarbeitet. “Es ist ein Song, der das Gefühl beschreibt, keine eigene Identität zu besitzen und gleichzeitig den Wunsch ausdrückt, niemals geboren worden zu sein. Der Song entstand aus der Verzweiflung, die man empfindet, wenn man sich abhängig fühlt.”

In “My Suffering“ taucht er noch tiefer in die Welt der Abhängigkeit ein. Eine Textzeile im Song lautet daher nicht umsonst: I’ve seen the devil in a smile/I’ve found salvation in a vial/My happy ending exists only in my dreams…

Anders als viele seiner Künstlerkollegen hatte Bennington jedoch keine Vorbehalte, über seine Dämonen und Kämpfe offen zu sprechen. “Ich habe kein Problem damit, dass die Leute wissen, dass ich mal ein Alkoholproblem hatte”, erklärt er ganz offen. “Es gehört zu mir, darüber schreibe ich, und das macht meine Person aus. Fast alles ist auf die eine oder andere Art eine Reflektion über das, was ich in irgendeiner Form durchgemacht habe. Mein Leben war buchstäblich dabei, auseinanderzufallen, also schrieb ich über meine Scheidung – ein Prozess, der mich tief in den Alkohol- und Drogensog gezogen hat.”

Diese emotionale Achterbahnfahrt prägte auch zu einem hohen Grad die Musik auf dem Album. In den zwölf Songs bewegen sich Dead By Sunrise gekonnt zwischen den explosiven Rockern, für die Bennington bekannt ist (wie etwa “Fire” und das frenetische “My Suffering”) und einigen überraschend zarten Momenten, wie dem wunderbar melodischen Midtempo-Song “Let Down” und bei “Walking In Circles”, das durch einen hypnotischen Rhythmus besticht.

Erst mal musste wie gesagt ein neues Haus gebaut werden. Und aus diesem Schmerz heraus fand Bennington tatsächlich eine neue Liebe. “Give Me Your Name”, ein musikalischer Heiratsantrag an die neue Frau an seiner Seite, und “In The Darkness”, den er als einen Song “über den Liebesakt mit jemandem, den du sehr liebst“ beschreibt, bringen das neue Lebens- und Liebesgefühl auf den Punkt. Und es sind diese Einblicke in Bennington, den Romantiker, die man auch in seiner Arbeit mit Linkin Park heraushört. “Aber ich glaube, die Sexiness und die unverschlüsselte Offenheit der neuen Songs sind der Punkt, an dem sich Dead By Sunrise und Linkin Park sehr unterscheiden”, so Bennington.

Zu Recht ist Bennington daher stolz auf Out Of Ashes und er hofft, dass die Millionen von Linkin Park-Fans verstehen, dass Dead By Sunrise lediglich ein neues Medium für ihn ist und dass Linkin Park keinesfalls dadurch ersetzt wird. “Alle von Linkin Park haben mich bei der Idee für dieses Album sehr unterstützt”, betont er. “Wir stehen einander sehr nahe und gehen sehr offen miteinander um. Wenn sich die Jungs darum gesorgt hätten, dass es der Band schaden würde oder uns davon abhalten würde, ein weiteres großartiges Album zu erschaffen, hätten sie es mir gesagt und ich hätte das Album nicht veröffentlicht. Selbst wenn es schon längst fertig gewesen wäre, hätte ich solange gewartet, bis die Zeit dafür reif gewesen wäre.“

Und das ist nicht nur so dahergesagt. Die Geschichte von Out Of Ashes begann schon im Jahr 2005 als Solo-Ambition von Bennington, während sich Linkin Park gerade in einer kreativen Schaffenspause befanden. Kurz darauf gingen Linkin Park dann geradewegs ins Studio, um den weltweiten Album-Chart-Hit Minutes To Midnight aufzunehmen. Bennington legte Dead By Sunrise infolgedessen für drei Jahre auf Eis: Mit Linkin Park ging es zunächst 18 Monate ins Studio und dann noch einmal genauso lange auf Tour.Vier Jahre lang ging die Arbeit an Out Of Ashes also nur sporadisch voran – eine Zeit, in der sich viele Veränderungen und Metamorphosen zutrugen. Die erste bedeutende Veränderung zeichnete sich dadurch aus, dass Dead By Sunrise von einem Solo-Projekt zu einem vollständigen Band-Projekt heranwuchs.

Die Entstehung der Band erklärt Bennington daher wie folgt: “Ich bin wirklich sehr gut mit Ryan und Amir befreundet. Orgy hatten sich gerade aus den Augen verloren, und so fragte ich sie, ob sie mir dabei helfen wollten, die Songs zu produzieren, die ich geschrieben hatte. Wir fingen also damit an, und eines Nachts riefen sie mich an und fragten: ‘Hey, hättest du was dagegen, wenn wir uns einen Song vornehmen und ein bisschen mit ihm herumspielen, um zu sehen, was dabei herauskommt? Wir haben da ein paar Ideen und glauben, es könnte richtig cool werden.’ Ich sagte nur: ‘Ich geb euch Jungs völlig freie Hand. Macht aus den Songs, was immer ihr möchtet. Macht es einfach.’ Dann fingen sie auch wirklich damit an, und die Wendungen und Entwicklungen, die die Musik mit sich trug, haben mich echt umgehauen!“

Der nächste Schritt in der Evolution von Out Of Ashes wurde drei Jahre später getan, als Howard Benson (My Chemical Romance, P.O.D., Papa Roach) als Produzent hinzustieß. “Wir hatten zu diesem Zeitpunkt das Gefühl, als würden wir schon ewig lange an diesem Projekt sitzen, auch wenn wir eigentlich erst seit etwa acht Monaten an der Arbeit waren. Howard brachte eine ganz neue Begeisterung und frische Energie in den Arbeitsprozess. Die hatten wir schon fast verloren, weil es manchmal schwierig war, immer wieder die Kraft des Momentes zu spüren.”

Zusätzlich sorgte Benson dafür, dass sich Dead By Sunrise mehr zutrauten. “Als wir mit den Gesangsparts begannen, wurde das alles zu einem völlig neuen Spiel”, so Bennington. “Howard meinte zu mir: ‘Okay, zeigen wir den Leuten mal, was du mit deiner Stimme alles machen kannst.'”

Es mag zwar eine Weile gedauert haben, doch der lange, mühsame Weg hat sich im Endeffekt doch mehr als gelohnt – sowohl für die Fans, die nun eine der Top-Stimmen im Rock völlig neu kennen lernen werden, als auch für Bennington selbst. “Ich habe das Gefühl, mit Dead By Sunrise wirklich etwas erreicht zu haben, denn diese Erfahrung hat etwas Authentisches, Bedeutungsvolles und Existenzielles hervorgebracht. Und es ist definitiv mehr als nur Nebenprojekt. Ich spüre, dass ich eine komplett neue Band mit einem neuen Sound auf die Beine gestellt habe. Das ist eine wirklich große Leistung für mich, und ich bin, egal wie, verdammt stolz darauf!”

 

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